HERBSTSYMPOSIUM 2025

Pressetext Herbstsymposium 2025

„Europa, wo sind deine Werte?“

Beim diesjährigen Herbstsymposium des Vereins Bewegung Mitmensch zum brandaktuellen Thema „Europa, wo sind deine Werte?“ referierte der ehemalige EU-Kommissär Dr. Franz Fischler im prall gefüllten Mistelbacher Pfarrsaal über Grundlagen und Ziele der Europäischen Gemeinschaft. Als Co-Referent brachte der frühere Pfarrer von Patzmannsdorf und Studentenseelsorger Mag. Franz Haslinger Gedanken über das Wesen von Gemeinschaft ein. Das Publikum nutzte die Gelegenheit, profunde Information zum Thema „Europa“ aus erster Hand zu erhalten.

Der große Pfarrsaal in Mistelbach war bis zum letzten Platz gefüllt, um die Ausführungen des ersten und längst-dienenden österreichischen EU-Kommissars zu hören. Stadtpfarrer Johannes Cornaro war ebenso unter den Anwesenden wie Landtagspräsident Wilfing, Vizebürgermeister Schamann und mehrere Stadt- und GemeinderätInnen der Stadtgemeinde Mistelbach. Lediglich von den EU-kritischen Freiheitlichen war kein Gemeindevertreter im Publikum zu finden.

Dr. Fischler hob in seinem Referat hervor, dass die EU nicht nur eine Interessensgemeinschaft mit wirtschaftlichen Zielen ist, sondern auch eine Wertegemeinschaft, wo Menschenrechte, Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Rechte von Minderheiten einen sehr hohen Stellenwert haben.  In kompakter Form wurde Wesentliches über den Entwicklungsprozess der Union von deren Anfängen bis heute berichtet und auch auf die im Jahr 2009 beschlossene „Europäische Grundrechtscharta“ eingegangen.

Link zur Europäische Grundrechtscharta hier

Als geistige Fundamente der „europäischen Seele“ nannte er Humanität, Spiritualität, Sinnlichkeit sowie den Auftrag zur Erhaltung der vielfältigen europäischen Kulturen. Als besondere Stärken der Union nannte Fischler die hohen sozialen Standards, den vielfältigen kulturellen Reichtum und vor allem den Umstand, dass die EU nach wie vor die größte Handelsmacht im Bereich des Warenverkehrs darstellt. Ausgehend von diesen Vorzügen sollten die Verantwortlichen mehr Selbstbewusstsein auf der weltpolitischen Bühne zeigen.

Als Schwächen der EU nennt der Insider sinkende internationale Wertigkeit, unzureichende Mittel zur Verteidigung angesichts der aktuell sehr kritischen Sicherheitslage, das Stagnieren der Wirtschaftsleistung und der technischen Innovationen sowie die zunehmende Überalterung in der europäischen Bevölkerung. Zuletzt wurden diese Mankos durch das Agieren von in multipolaren Machtverhältnissen konkurrierenden Staaten (USA, China, Russland) verschärft.  Hinzu kommen noch das Aushöhlen demokratischer Strukturen in Nachbarländern wie z. B. Ungarn und der Slowakei sowie kriegsbedingte Bedrohungsszenarien und Herausforderungen des Klimawandels. Daher gelte es, sich die vorhandenen Stärken Europas (größter Markt der Welt, Handelsmacht, …) in Erinnerung zu rufen und das Vertrauen in die Politik wieder zu stärken. Verbesserungsbedarf ortet Dr. Fischler bei der klarerer Kompetenzen-Zuordnung zwischen Gemeinschaft und Einzelstaaten (z. B. bei Förderung ländlicher Entwicklung), Angleichung der Bürgerrechte, Effizienzsteigerung bei Entscheidungsstrukturen, gemeinsame Außenpolitik und Kohärenz im Außenhandel.

Am Ende seiner Ausführungen weist Fischler darauf hin, dass durchaus das Risiko bestünde, dass die Europäische Gemeinschaft scheitern könnte, wenn es bei den genannten negativen Entwicklungen zu keiner Trendwende kommt. Wir alle können dazu einen Beitrag leisten, indem wir im Rahmen von Diskussionen entsprechenden politischen Druck aufbauen. Es gelte also die Ärmel aufzukrempeln, wenn Europa soll der lebenswerteste Kontinent sein, wo niemand „zurückgelassen“ wird!

Im Impulsreferat von Mag. Haslinger erinnert dieser – ausgehend von einer Feststellung Papst Leos XIV - daran, dass unser (durch wirtschaftlich-materiellen Wohlstand) „auserwählt sein“ einerseits als Gnade anzusehen sei, andererseits aber auch eine Verpflichtung gegenüber den Benachteiligten darstelle. Die Wohlhabenden sollten bedenken, dass uns Jesus Christus in den Armen und Schwachen gegenübersteht. Daraus leite sich die Frage ab, wie Christen ihr Leben gestalten sollen. Er rief zum Öffnen der Herzen für Begegnung auf Augenhöhe mit armen Mitmenschen auf. Dies zeige, wie unsere Gesellschaft und „Kirche“ sein solle.

Die abschließende Diskussionsrunde nutzten die interessierten Anwesenden, um ergänzende Fragen zum Thema zu stellen und kompetente Antworten und Einschätzungen dazu zu erhalten. Beim gemütlichen Ausklang wurden bei Brot und Wein Gedanken und Überlegungen dazu lebhaft ausgetauscht.

Die Referate stehen als Film Aufzeichnungen (2 Teile) auf folgenden YouTube Seiten zur Verfügung

„Europa, wo sind deine Werte?“ Teil 1 von 2 -> https://youtu.be/AI-DpVgQHN0

„Europa, wo sind deine Werte?“ Teil 2 von 2 -> https://youtu.be/9bIqPYRvQnU

Fotos: © Bewegung  Mitmensch

 

 


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